BUrteils- & Entscheidungsfehler

Anker-Effekt

Anchoring Bias

Die Tendenz, sich bei Entscheidungen zu stark an der ersten erhaltenen Information (dem "Anker") zu orientieren.

Beispiel

Ein Verkäufer nennt zunächst einen überhöhten Preis. Der spätere "Rabatt" erscheint attraktiv, obwohl der Endpreis immer noch zu hoch ist.

Typische Wirkung

Verhandlungen und Schätzungen werden durch willkürliche Anfangswerte verzerrt.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Tversky und Kahneman zeigten, dass selbst offensichtlich irrelevante Zahlen (z.B. Roulette-Ergebnisse) nachfolgende Schätzungen beeinflussen. Der Anker-Effekt funktioniert auch bei Experten und selbst wenn Personen vor dem Effekt gewarnt werden.

So funktioniert der Mechanismus

Zwei Mechanismen wirken zusammen: 1) Selektive Aktivierung – der Anker aktiviert ankerkonsistente Informationen im Gedächtnis. 2) Unzureichende Anpassung – wir passen vom Anker aus an, aber nicht weit genug.

Im Alltag erkennbar

Gehaltsverhandlung: Die erste genannte Zahl prägt die Verhandlung
Immobilien: Angebotspreise beeinflussen Werteinschätzung
Strafmaß: Forderungen der Staatsanwaltschaft als Anker
Schätzungen: Erste Schätzung beeinflusst Gruppenurteil

Gegenstrategien

1.Den ersten Anker selbst setzen in Verhandlungen
2.Bewusst extreme Gegenanker generieren
3.Unabhängige Recherche vor Verhandlungen betreiben
4.Bei Gruppenentscheidungen erst einzeln schätzen lassen

Verwandte kognitive Verzerrungen

FocalismPrimacy EffectAdjustment HeuristicContrast Effect